Wörtlich: Christian Heidel

Ich sitze auf dem Platz, der dem Trainer am entferntesten ist. Das werde ich auch auf Schalke so handhaben. Der Trainer hat die sportliche Verantwortung. Wenn der Trainer ganz rechts sitzt, sitze ich ganz links. Die Tribüne ist nicht der richtige Platz für mich.

Ich sehe auf der Bank schon, wenn sich zwei Spieler nicht freuen, wenn wir ein Tor schießen … mit denen würde ich anschließend mal sprechen.

Christian Heidel wird nicht auf der Tribüne, sondern auf der Trainerbank Platz nehmen. Die Aussage oben zu diesem Thema stammt von Christian Heidels Besuch bei einem Fan-Treffen. Gemeinsam mit Clemens Tönnies, der heute übrigens seinen 60. Geburtstag feiert, war er in Wettringen, im Münsterland.

Heidels Aussagen zu weiteren Themen gibt es hier zu lesen.

Weinzierl (offensichtlich) neuer Trainer des S04

 
Ich hatte erwartet, dass der FC Schalke 04 gestern die Verpflichtung Markus Weinzierls als neuen Cheftrainer bekanntgeben würde. An dieser Stelle, gleich hier oben, hätte ich den Tweet des offiziellen Twitter-Club-Accounts eingefügt. Einfach um das Thema zu eröffnen und später, bei Gelegenheit, vermutlich abends, wie es so meine Art ist, mehr dazu zu schreiben. Aber der FC Schalke meldete nichts. Stattdessen ließ Die Zeit die Katze aus dem Sack.

Die ansonsten donnerstags erscheinende Wochenzeitung erscheint, wegen des Feiertags, diesmal bereits am Mittwoch. In einer Vorabveröffentlichung warb Die Zeit für diese Ausgabe mit Auszügen aus einem Interview mit Markus Weinzierl. Diese enthalten Zitate Weinzierls zu seinem bevorstehenden Wechsel zu Schalke 04, wodurch der Abschluss dieses Trainerwechsels indirekt bestätigt wurde.

Christian Heidel hingegen wollte den Vollzug noch nicht bestätigen. Sowohl die FAZ, als auch die FUNKE Medien Gruppe meldeten, zur offiziellen Bekanntgabe stünde nur noch das Votum des Schalker Aufsichtsrats aus, der den Deal satzungsgemäß zu genehmigen hat. Demnach hätte sich Christian Heidel mit dem FC Augsburg auf eine Ablöse von 3 Millionen Euro plus eventueller Erfolgsprämien geeinigt. Markus Weinzierl erhalte auf Schalke einen Vertrag mit dreijähriger Laufzeit.

Ich gehe also davon aus, dass Christian Heidel in Kürze seinen Wunschtrainer an seiner Seite hat.

Markus Weinzierl ist 41 Jahre alt, also noch ein bisschen jünger als André Breitenreiter, und damit der zweite Trainer in der Geschichte des FC Schalke 04, der jünger ist als ich. Markus Weinzierl musste seine Spielerkarriere auf Grund einer Verletzung bereits im Alter von 30 Jahren beenden. Eine Spielzeit später, im April 2006, begann er als Co-Trainer beim SSV Jahn Regensburg. Im November 2008 übernahm er den Posten als Cheftrainer. Dreieinhalb Jahre später, in der Saison 2011/2012, erreichte Regensburg Platz 3 und damit die Relegation, schlug den Karlsruher SC und stieg auf. Markus Weinzierl wechselte daraufhin zum FC Augsburg.

Augsburg stieg 2011 in die erste Liga auf und beendete die Saison 2011/2012 auf Rang 14. In der Folge entließ man Trainer Jos Luhukay und entschied sich für den damals 37-Jährigen Weinzierl. Drei Jahre später, in der Saison 2014/2015, qualifizierte sich der FC Augsburg auf Platz 5 für die Teilnahme an der Europa League.

In der vergangenen Saison legte Weinzierls FCA in der Liga allerdings einen katastrophalen Start hin. Wohl auch auf Grund der Dreifachbelastung aus Liga, DFB-Pokal und Europa League, für die der Kader nicht ausgerichtet war, fand man sich nach 12 Spieltagen auf dem letzten Tabellenplatz wieder – schon 5 Punkte hinter Rang 15. Sport1 berichtet, dass es im Verein damals Unstimmigkeiten darüber gegeben haben soll, wie man diese Krise zu meistern habe; dass Markus Weinzierl damals die Entscheidung getroffen haben soll, den FC Augsburg nach der Saison verlassen zu wollen. Vom 13. bis zum 34. Spieltag holte Augsburg 32 Punkte, ebenso viele wie Schalke 04, und sicherte damit doch noch den Klassenerhalt.

Wie der Fußball des FCA unter Markus Weinzierl in der Regel aussah, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich habe die Mannschaft lediglich zweimal pro Saison gesehen; eben gegen Schalke 04. Zwar lassen sich durchaus ausführliche Beschreibungen der Taktik und des Spielstils im Netz finden, etwa bei Spielverlagerung oder der Augsburger Allgemeinen. Diese stammen allerdings zumeinst aus dem Frühjahr 2015, als der FCA auf dem Weg in die Europa League war und deshalb für ein gewisses Aufsehen sorgte. Ob die Beschreibungen dieser Phase als repräsentativ erachtet werden können vermag ich nicht zu beurteilen.

Jedenfalls wollte Christian Heidel ihn haben. Und Horst Heldt letztes Jahr auch. Und Max Eberl findet ihn dem Vernehmen nach auch richtig prima.

Ma’kucken, wie’s so wird.



Foto: Maerwa

Glückauf Pils – Der Schalke Podcast: Folge 13

Schalke ist „zwischen den Jahren“. Der Stress der letzten Saison ist abgeebbt. Mit Christian Heidel ist der nächste Hoffnungsträger aufs Berger Feld hinabgestiegen. Er machte dabei einen großartigen Eindruck, aber darauf, dass er Wunder wirkt, oder zumindest Geschenke präsentiert, muss man noch warten.

Dies ist der perfekte Zeitpunkt für einen Podcast, der sich eben genau damit beschäftigt. Doc Karsten von Halbfeldflanke, Herr Pepo und ich trafen uns bei mediokerem Bier, um zunächst die mediokere Saison der Blauen abzuschließen. Dabei benannten wir die Spieler, die uns positiv überraschten, sowie eben die, welche uns enttäuschten. Außerdem versuchten wir herauszufinden, wann aus dem hoffnungsvoll-positiven André Breitenreiter der enttäuscht-griesgrämige André Breitenreiter wurde.

Im zweiten Teil geht’s dann um die Zukunft, und in diesem Sinne die Pressekonferenz, auf der Christian Heidel als neuer Vorstand des FC Schalke 04 vorgestellt wurde. Ein Auftritt, bei dem er die Rolle des Vorstands für Kommunikation bereits eindrucksvoll einnahm. Eine PK, die wir zerschnippelten und damit unseren Spaß hatten. Eine Folge – die 13. – die unser erstes Podcastjahr abschließt und mit der Du, Ihr, alle Hörer vermutlich ebenfalls Spaß haben werdet. Dazu geht’s hier entlang.

Zum Abonnieren ist „Glückauf Pils“ in den gängigen Katalogen der verschiedenen Podcatcher zu finden. Die Webseite mit den entsprechenden Feeds gibt’s da: glückauf-pils.de. Dort könnt ihr auch ein Feedback hinterlassen; oder gleich hier. Außerdem lieben wir Feedback und Herzchen via Twitter oder Kommentare und Likes bei Facebook. Und falls ihr uns nicht in eine Arena-Loge einladen möchtet könntet ihr uns wenigsten bei iTunes positiv bewerten.

Danke fürs Hören, Glückauf.

Die 10-Jahres-Tabelle der Bundesliga

Die 10-Jahres-Tabelle der Bundesliga



Für den FC Schalke 04 stehen in dieser Zeit zu Buche:

  • 2006/2007: Vizemeister, UCL Qualifikation
  • 2007/2008: Qualifikation zur UCL-Qualifikationsrunde, UCL Viertelfinale
  • 2008/2009: –
  • 2009/2010: Vizemeister, UCL Qualifikation, DFB-Pokal Halbfinale
  • 2010/2011: UCL-Halbfinale, DFB-Pokalsieger
  • 2011/2012: UCL Qualifikation, UEL Viertelfinale
  • 2012/2013: Qualifikation zur UCL-Qualifikationsrunde, UCL Achtelfinale
  • 2013/2014: UCL Qualifikation, UCL Achtelfinale
  • 2014/2015: UEL Qualifikation, UCL Achtelfinale
  • 2015/2016: UEL Qualifikation



Hier geht’s zu den Versionen 2015, 2014, 2013, 2012, 2011

Christian Heidels Vorstellung auf Schalke

Jetzt ist er also da. Gestern wurde Christian Heidel als neuer Vorstand Sport und Kommunikation auf Schalke vorgestellt. Der Vorstand wird vom Aufsichtsrat bestellt, so sieht es die Satzung vor. Entsprechend war es natürlich an Clemens Tönnies, den neuen Vorstand zu präsentieren. Und gleich in seinen einleitenden Sätzen traf er die Aussage, die sicherlich in den nächsten Wochen, bis zur Jahreshauptversammlung, am häufigsten zitiert, diskutiert oder gar in Abrede gestellt werden wird.

Christian Heidel ist der neue starke Mann auf Schalke. Das verbinde ich mit der Nachricht, dass ich mich in Zukunft weiter aus dem Tagesgeschäft zurückziehe und mich auf das konzentriere was ein Aufsichtsrat tut: Beaufsichtigen und Rat geben.

Clemens Tönnies steht als Aufsichtsrat vor allem deshalb in der Kritik, weil er sich nie zurückhalten konnte. Weil er sich immer wieder als der starke Mann zeigte, ohne den keine wichtigen Entscheidungen auf Schalke gefällt werden. Weil er sich wie ein Präsident gab, regelmäßig in TV-Shows und Bild-Interviews seine Statements zur Lage formulierte. Eine Rolle, die seinem Amt nicht zusteht.

Ein Thema, mit dem sich auch Christian Heidel beschäftig hat.

Ich habe natürlich mitbekommen, dass es hier und da Kritikpunkte gibt. Natürlich gingen unsere Gespräche auch darum, wie wir die Aufgaben verteilen, Clemens Tönnies wird das bestätigen. Ich wäre sicherlich nicht zu Schalke 04 gekommen, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass zukünftig das operative Geschäft im Aufsichtsrat gemacht wird. Da gibt es eine ganz klare Zusage, dass das operative Geschäft Aufgabe des Vorstands ist, sein wird, und darauf bestehe ich auch. Sonst wäre ich nicht zu Schalke 04 gekommen.

Er habe „den Staffelstab weitergegeben“, formulierte Clemens Tönnies später. Aussagen, die ihm seine Kritiker nicht glauben werden. Aber eben die Ankündigung dessen, was sich diejenigen wünschen, die Clemens Tönnies für den grundsätzlich richtigen Mann in diesem Job halten, die nur eben seine Nähe zur Presse stört. Mir fällt es schwer zu glauben, dass sich Clemens Tönnies an seine Ankündigungen hält. Allerdings halte ich das Engagement Christian Heidels dahingehend für bemerkenswert. Ich halte den neuen Vorstand für durchaus stur – er selbst nannte es „hartnäckig“ – und ich glaube ihm, dass er Einmischungen gegen seinen Willen nicht akzeptieren würde. Insofern lässt sich diese Personalie durchaus als Beweis deuten, dass Clemens Tönnies es mit dem Zurückziehen erst meint. Übrigens wie auch schon damals, als Felix Magath zum „starken Mann“ auf Schalke wurde und sich Clemens Tönnies fortan auch sehr zurückhielt. Ein Versuch der scheiterte, was aber wahrlich nicht an Clemens Tönnies lag.

Doch in dieser Pressekonferenz sollte es ja nicht um Clemens Tönnies gehen. Dass Christian Heidel ein guter Vorstand Kommunikation sein wird, ließ diese erste Pressekonferenz jedenfalls bereits erahnen. Er sprach viel, übernahm sogar Antworten die eigentlich Clemens Tönnies hätte geben sollen, und was er sagte hatte Hand und Fuß. Er wirkte bestimmt, ganz klar in seinen Aussagen, und immer freundlich.

Er machte klar, dass seiner Ansicht nach der Trainer der wichtigste Mann sei. Dass er seine Aufgabe darin sehe, dem Trainer zum Schutz ein breiter Rücken zu sein, ihm das bestmögliche Team aus Co-Trainern und Assistenten zur Verfügung zu stellen, die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen.

Er sagte dass es das Ziel sei, dass jeder Schalker stolz auf den Club sei, dass es nicht mehr nötig sein soll, die Verfehlungen mit Humor zu nehmen. Er sagte, dass der Club dabei in Vorleistung gehen müsse, dass man eine Fußballspiel entwickeln müsse, auf dass jedermann wüsste für welchen Fußball Schalke 04 stehe.

Er sagte noch viel mehr, aber tatsächlich muss ich konstatieren: Christian Heidel hat eigentlich alles eben so gesagt, wie ich es mir gewünscht habe. Nun bin ich leicht begeisterungsfähig – Schalker eben. Und ja, das Umsetzten ist schwieriger als das Beschreiben. Aber dort den neuen Vorstand sitzen zu sehen, der das sagt was man sich wünscht, ist eben viel besser als dort einen sitzen zu sehen, der anderes sagt. Ich freue mich auf Christian Heidel.
 

Meine 7 Wünsche für Schalke 04

Nach der Saison ist vor der Saison und nach Horst Heldt folgt Christian Heidel. Noch bevor er richtig da war hat er André Breitenreiter mitgeteilt, dass er nicht länger Trainer des FC Schalke 04 sein wird. Am Mittag seines ersten offiziellen Arbeitstages wurde die Verpflichtung von Ronaldo Aparecido Rodrigues, genannt Naldo, bekanntgegeben. Schalkes neuer Sportvorstand legt ein ordentliches Tempo an den Tag. Es gibt aber auch wirklich genug zu tun, nicht nur für ihn, auch für den nächsten Trainer und für den ganzen Verein. Zusammengefasst komme ich auf 7 Punkte, die abzuarbeiten notwendig sind, um den FC Schalke 04 wieder in die Erfolgsspur zu führen.
 

  • Den Wunschtrainer verpflichten
  • Gradlinig handeln
  • Eigendarstellung verbessern
  • Selbstbewusst sein und handeln
  • Die Löcher im Kader stopfen
  • Einen Lieblingsspielstil und ein Standardspiel entwickeln
  • Demokratie leben

 
 
Aber der Reihe nach …
 
 
Den Wunschtrainer verpflichten

Alles steht und fällt mit dem Mann, der für die tägliche Arbeit mit der Mannschaft verantwortlich ist. André Breitenreiter und Horst Heldt haben nicht gut zusammengearbeitet. Der Manager meinte, mit dem Kader wäre mehr möglich gewesen. Der Trainer forderte Verstärkungen die er nicht bekam. Schon früh war zu erahnen, dass es sich bei Breitenreiter und Heldt um eine Zweckgemeinschaft handelte. Zuletzt ließ Heldt durchblicken, dass er einst Thomas Tuchel verpflichten wollte, dass er sich damit im Club aber nicht durchgesetzt habe.

Christian Heidel muss sich durchsetzen. Er muss einen Trainer aussuchen von dem er absolut überzeugt ist. Er muss seine Entscheidung den Schalker Gremien erklären, sie überzeugen. Schalke braucht ein gut harmonierendes Trainer/Manager-Duo, ein Tandem das sich gegenseitig wertschätzt, unterstützt und notfalls verteidigt. Gegenseitiges Vertrauen der handelnden Personen ist die Grundlage jeder erfolgreichen Arbeit.
 
 
Gradlinig handeln

Mal Hüh, mal Hotte lief es unter Horst Heldt. Egal was er sagte, man konnte sich nie sicher sein, ob er nicht vielleicht zwei Tage später das Gegenteil entschied. Mal gab er „bewusst kein Ziel“ aus, um später zu sagen dass man seiner Ansicht nach doch in die Champions League-Ränge kommen müsse. Mal gab er Ultimaten aus um später drauf zu pfeifen. Er polterte, warf Spieler raus, nur um sie später wieder reinzuholen. Er gab bekannt, Schalker Spieler würden in Zukunft unbedingt innerhalb eines gewissen Umkreises um Gelsenkirchen wohnen müssen, ohne das jemals umzusetzen oder auch nur selbst nach Gelsenkirchen zu ziehen.

Unter Horst Heldt wurden Spieler verpflichtet, die danach vom Trainer nie auf ihrer eigentlichen Position eingesetzt wurden. Man plante eine Saison mit dem damals wertvollsten Talent als Spielmacher, um nach drei Spieltagen die Planung über den Haufen zu werfen und für viel Geld einen (mehr als) fertigen Star zu verpflichten. Am Ende flüchtete das Talent und den Star schmiss man raus. Unter Horst Heldt agierte Schalke stets nur kurzfristig. Seine fehlende Linie brachte dem Club immer wieder Unruhe.

Christian Heidel legte in Mainz wiederholt eine gewisse Dickköpfigkeit an den Tag. Einer, dessen Wort gilt. Schalke braucht einen Sportvorstand, der sich zunächst überlegt was er will, es dann verkündet und in der Folge danach handelt. Egal ob es um die Zielsetzung, die Kaderplanung oder die Führung der Abteilung allgemein geht; das muss grundsätzlich so sein.
 
 
Eigendarstellung verbessern

Das Miteinander zwischen dem Trainer des FC Schalke 04 und den über Schalke berichtenden Medien war zuletzt schlecht, unter André Breitenreiter wie auch unter Jens Keller. Nun kann man sagen, daran seien die Medien schuld, und man kann Bespiele anführen, bei denen Journalisten tatsächlich über die Grenze des guten Geschmacks hinausschossen. Fakt ist jedoch: Man wird nicht zig Journalisten „irgendwie umpolen“ können und Geschmacklosigkeiten im Umgang mit Trainern sind auch kein schalkespezifisches Problem. Beeinflussen kann man nur, wie man sich selbst darstellt, wie sehr man was an sich heranlässt und welche Storys man den Medien anbietet.

Jens Keller und André Breitenreiter haben beide wahnsinnig viel über die Medien gesprochen. Beide brachten sich mit wiederholten Rechtfertigungen für irgendwas immer wieder selbst in die Defensive. Sie beschäftigen sich offensichtlich gründlich damit, wie und was über sie geschrieben wurde, ihnen war das wichtig. Das tat ihnen nicht gut.

Wurde Felix Magath in seiner Zeit auf Schalke in Pressekonferenzen auf etwas angesprochen, was sich auf Geschichten oder Gerüchte aus den Medien bezog, war seine Standardantwort, dass er keine Zeit hätte sowas zu lesen. Sich dies zum Beispiel zu nehmen sollte die unbedingte Empfehlung für Schalkes nächsten Trainer sein: Sei freundlich, sei verbindlich, erzähle und öffne Dich eben so viel, dass sie Geschichten zu schreiben haben. Aber lese diese Geschichten grundsätzlich nie! Und pfeife unbedingt drauf, wenn jemand sagt, was andere über Dich schreiben! Du hast dafür keine Zeit.
 
 
Selbstbewusst sein und handeln

Auch das hat zum Teil etwas mit Darstellung zu tun, letztlich aber auch mit der Sicht auf sich selbst und dem Gefühl, mit dem die Leute ins Stadion gehen. Es gilt, sich als großer Club mit gewissen Ansprüchen zu positionieren, ohne in übertriebene Großkotzigkeit zu verfallen.

Es scheint ein ewiges Thema zu sein: Auf Schalke seien die Ansprüche zu hoch. Um sich ja nicht an irgendwas messen zu lassen, um ja keine negativen Schlagzeilen erdulden zu müssen, gibt man keine Ziele aus und stellt sich selbst klein dar. Jeder nächste Gegner ist natürlich auch ganz toll, und wer das nicht sehe schaue nicht richtig hin. Dennoch wird Schalke in den einschlägigen Rankings seit Jahren unter den 20 wertvollsten Fußballclubs der Welt geführt.

Schalke erzielt höchste Einnahmen aus dem Sponsoring weltweit agierender Unternehmen, zeigt sich als Marke in den USA, im nahen wie im fernen Osten. Was Schalke 04 an Mitgliedsbeiträgen passiver Mitglieder kassiert ist mehr als die Hälfte der Bundesligaclub von ihren Trikotsponsoren erhalten! Der FC Bayern und Borussia Dortmund sind in den letzten Jahren sportlich wie wirtschaftlich enteilt. Dahinter ist alles offen. Es muss der Anspruch eines so potenten Clubs wie Schalke 04 sein, die dritte Kraft zu werden und zu bleiben. Dies muss man nicht unbedingt als offizielles Ziel ausrufen, aber man muss so agieren, es leben.
 
 
Die Löcher im Kader stopfen

André Breitenreiter hatte immer gesagt, ihm fehle ein erfahrener zentraler Defensivspieler im Kader. Er wollte auch Julian Draxler unbedingt halten. Horst Heldt hatte den unerfahrenen Pierre-Emile Höjbjerg vom FC Bayern und im Winter Younes Belhanda aus Kiew ausgeliehen. Er konnte Joel Matip nicht halten und sowohl Roman Neustädters, als auch Sascha Riethers Vertrag laufen in ein paar Tagen aus. Horst Heldt hat einen lückenhaften Kader hinterlassen, nicht zuletzt um einen prima Geschäftsbericht für das Jahr 2015 vorweisen zu können.

Positiv formuliert kann man aber auch sagen, er hat Christian Heidel einen gewissen Spielraum gelassen. Gerade weil Höjbjerg und Belhanda nur ausgeliehen sind, gerade weil man mit Roman Neustädter und Sascha Riether bislang keine Entscheidungen über die Zukunft fällte, lässt sich für das neue Manager / Trainer-Gespann was bewegen. Hinzu kommt, dass die Verträge von Eric Maxim Choupo-Moting, Klaas-Jan Huntelaar, Sead Kolasinac und Dennis Aogo nur noch ein Jahr laufen. Auch hier können nun Weichen gestellt werden. Mit der Verpflichtung Naldos ist ein erster Schritt gemacht. Viele weitere müssen folgen.
 
 
Einen Lieblingsspielstil und ein Standardspiel entwickeln

In der letzten Spielzeit agierte Schalke wahnsinnig wechselhaft. Noch am 23. Spieltag agierte Schalke beim Abstiegskandidaten in Frankfurt mit 6 Verteidigern in der Startaufstellung, ohne jegliches Offensivspiel. Nur um sechs Tage später beim 3:1 in Köln zu stürmen, als gäbe es kein Morgen mehr. Bis heute lässt sich nicht sagen, für welchen Fußball, für welchen Spielstil André Breitenreiter als Schalker Trainer stand.

Ebenso wenig hatte Schalke eine Spielweise parat, die man unbedingt beherrschte, auf die man sich in kritischen Situationen verlassen konnte. Wenn Schalke zu wackeln begann wackelte stets alles. Ein Spiel mal „runterspielen“ oder in einer kritischen Phase beruhigen konnte Schalke unter André Breitenreiter nicht.

Natürlich muss ein Trainer stets pragmatisch sein. Natürlich gibt es immer Umstände, die zu Abweichungen davon führen, was normal ist. Aber was normal ist, für welchen Fußball die Mannschaft des FC Schalke 04 steht, muss überhaupt erst noch definiert werden. Dies, und das Etablieren von Automatismen die Sicherheit bringen, wird die Aufgabe des nächsten Trainers sein.
 
 
Demokratie leben

Der letzte Punkt geht alle an. Aktuell tobt der Wahlkampf, auf Schalke. Bei der nächsten Jahreshauptversammlung steht Clemens Tönnies zur Wiederwahl. Der Aufsichtsratsvorsitzende, den einige Schalker für alles Schlechte verantwortlich machen, den andere Schalker für den letzten Retter gegen die Macht dubioser Fanorganisationen halten. Clemens Tönnies nutzt seinen Einfluss, um in diversen Medien seine Sorgen um den Club zum Ausdruck bringen zu können, ohne dabei je kritisch hinterfragt zu werden. Andererseits instrumentalisieren Gegner sogar den vor der Fankurve weinenden Horst Heldt, um gegen Clemens Tönnies Stimmung zu machen – Leute, die ziemlich genau vor einem Jahr Horst Heldt Gift und Galle entgegenspuckten.

Wie auch immer die Wahl ausgehen wird: Es ist unbedingt notwendig, dass Schalke danach wieder zusammenfindet. Jeder Wählende ist dies nur, weil Schalke ein grundsätzlich demokratischer Verein ist. Auch wenn die Wahl nicht so ausgeht, wie man es selbst gerne hätte, die Entscheidung der Mitgliederversammlung ist zu akzeptieren. So wichtig Vereinspolitik auch ist: In den Scharmützeln darum darf die Unterstützung des Clubs nicht geopfert werden.

Schalke 04: Die Drama-Queen der Bundesliga

Schalke 04 hat sein letztes Saisonspiel in Sinsheim mit 4:1 gewonnen. Ein Spiel gegen eine TSG, für die es um nichts mehr ging. Gleichwohl ein wichtiger Sieg, erspart man sich so doch bis zu zwei Qualifikationsrunden zur Teilnahme an der Europa League. Ohne dies wird die Saisonvorbereitung 2016/2017 einfacher. Wichtig für den Trainer, wer auch immer dies dann sein mag.

Kurz vor dem Anpfiff in Hoffenheim wurde offiziell, dass André Breitenreiter in der kommenden Saison nicht mehr Trainer des FC Schalke 04 sein würde. Er selbst gab das bekannt, den Medien, in der Kabine auch seiner Mannschaft. Auch Christian Heidel nahm dazu später in einem Interview Stellung.

Demnach habe er André Breitenreiter angerufen, um mit ihm ein persönliches Gespräch zu vereinbaren. Im Lauf dieses Telefonats wurde dann aber klar worum es ging. Der Trainer wollte schnell Klarheit, eben kein „Geeiere“, wie er zuletzt selbst sagte. Dem Manager war wichtig, dass er von Beginn an ehrlich war, er wollte den Trainer nicht hinhalten. So kam es zu der Freistellung am Telefon. Eine Freistellung für nach dem Spiel, vor dem Spiel. Irgendwie typisch Schalke, Schalke 04, die Drama-Queen eben. Aber letztlich sprachen sowohl André Breitenreiter, als auch Christian Heidel in ihren Interviews ohne Verbitterung über den anderen.

Entsprechend war dieses Spiel in Hoffenheim also das letzte für sowohl André Breitenreiter, als auch für Horst Heldt. Und als sie nach dem Spiel gemeinsam in die Schalker Kurve gingen, als die Fans „Blau und Weiß, ein Leben lang“ intonierten, als bei Horst Heldt die Dämme brachen, da titschte das wohl jeden an, auch mich.

Keine Frage: Horst Heldt wurde zum Schalker und er hat seine Verdienste, er wird auf immer Teil der Geschichte des FC Schalke 04 bleiben. Es gilt, ihn zu achten, wie es überhaupt jeden Schalker zu achten gilt. Trotzdem ist es mehr als schräg, in welch gutem Licht Horst Heldt plötzlich dasteht. Wie sich das Verhalten eines Großteils der Fans wandelte, von Zeter und Mordio, das man ihm nach der letzten Saison entgegenschrie, zur aktuellen Innigkeit – obwohl er doch großen Anteil daran hatte, dass diese Saison kaum einen Deut besser verlief als die letzte. Wo doch gerade er keinen Draxler-Ersatz beschaffen konnte und den Forderungen des Trainers nach einem erfahrenden Defensivspieler nicht nachkam. Das ist schon mehr als erstaunlich. Meines Erachtens war und ist es in beide Richtungen zu dick aufgetragen. Damals wie heute. Schalke 04, die Drama-Queen eben.

Wie dem auch sei: Horst Heldt ist nicht mehr verantwortlich. Die Zukunft gehört Christian Heidel, der am gestrigen Sonntag seinen ersten Tag mit Verantwortung für Schalke 04 hatte und gleich tätig wurde.

Nach wenigen Stunden wurde die Verpflichtung von Ronaldo Aparecido Rodrigues, genannt Naldo, bekanntgegeben. Wenn man so will: Gleich der zentrale Defensivspieler mit Erfahrung, den André Breitenreiter nicht bekam.

Naldo ist bereits 33 Jahre alt. Er ist noch immer ein guter Spieler. Dieser Transfer wird Schalke nicht auf Champions League-Level hieven. Aber Naldo ist ein Führungspieler und ein Teamplayer. Einer, von dem junge Spieler profitieren können. Auf Grund einer Klausel im Vertrag konnte Christian Heidel ihn ablösefrei bekommen. Wirkt auf mich wie ein schlauer Deal.

Noch nicht offiziell, sondern nur nach Meldung der Süddeuschen Zeitung, hat Schalke außerdem Robert Leipertz vom FC Heidenheim zurückgeholt. Robert Leipertz war vor zwei Jahren aus Schalkes Regionalligamannschaft nach Heidenheim gewechselt. Schalke hatte sich eine Rückholoption gesichert, welche nun gezogen worden sein soll. Der nun 23-Jährige Spieler hatte für Heidenheim in der letzten Saison hauptsächlich als Rechtsaußen gespielt. In 33 Spielen kam er auf 10 Treffer und bereitete 10 weitere Tore vor. Für einen Außenbahnspieler durchaus starke Zahlen.

Inwieweit Schalke mit Leipertz als Kaderspieler plant, ob es neben Naldo noch andere Veränderungen für die Innenverteidigung geben wird, wer überhaupt nächster Schalke-Trainer wird … das alles bleibt abzuwarten. Mittwoch wird es eine Pressekonferenz mit Christian Heidel auf Schalke geben. Vielleicht sitzt dann ja ein neuer Trainer daneben.